Donnerstag, 17. Februar 2011

Trip to Costa Rican Amphibian Research Center

Die erste Telemetriephase ist überstanden. Während der letzten Wochen bin ich 3 Fledermäusen hinterhergejagt und hab geschaut, wo sie hinfliegen. Da die Tiere bei Vollmond ziemlich faul werden und es momentan auch wahnsinnig viel regnet, sinkt mein Stressspiegel momentan auch ein bisschen. Drum haben wir uns einen Trip nach Guayacán gegönnt, zum Costa Rican Amphibian Research Center (CRARC). Das ist eigtl. die Finca von einem Ami-Herpetologen (Brian Kubicki), der sich hier 45ha Land gekauft hat und an Fröschen forscht. Dort haben wir dann eine Nacht verbracht und sind mit Brian höchstpersönlich 6,5h durch den Wald gestapft. Insgesamt haben wir 25 Froscharten gesehn, was für einen Abend unglaublich viel ist. Außerdem waren es nicht nur viele Arten, sondern auch richtig hübsche und seltene. 6 Arten waren neu für mich. Unter anderem haben wir einen Erstnachweis für sein Gelände gefunden, was echt bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass der Kerl ja permanent in seinem Wald unterwegs ist. Morgens gabs dann noch einen Zusammenstoß zwischen unserer Wasserleitung und einer Kuh, wodurch die Wasserversorgung unterbrochen wurde. Also gings dann ohne Dusche per fünfstündiger Busreise zurück nach Tirimbina. So, jetzt aber zu den Fröschen, hier kommen die spektakulärsten Sichtungen. Vielleicht ist der eine oder andere von den komischen Namen verwirrt...die Systematik wurde vor kurzem komplett umgekrempelt, drum heissen die Tiere jetzt alle anders. Unten seht ihr die aktuellen Namen.


Die Ruhe vor dem Sturm: Wito und ich vor unserem Guest-house, bevors in den Wald ging.


Leider kein hübsches Foto. Dafür war der kleine zu schnell unterwegs. Kaum war er da, war er auch schon wieder weg. Das ist ein Pfeilgiftfrosch und zwar Phyllobates lugubris.


Das ist schonmal was richtig cooles: Agalychnis lemur. Richtig selten und das erste Mal, dass ich ihn gesehen hab.


Das ist unter anderem der Grund, warum Brian so viele Frösche in seinem Wald hat: Er hat überall künstliche Laichplätze in Form von Wassertonnen und angelegten Teichen geschaffen. Hier sieht man jede Menge Kaulquappen von A. lemur und Cruziohyla calcarifer.


Das sind zwei kämpfende Leptodactylus savagei. Die heißen auch Bullfrogs und sind groß genug, daß sie auch gegessen werden. Max, unseren Halbfranzosen, haben wir da schnell weitergezerrt ;)


Der ist auch richtig putzig. Eigtl. relativ häufig, aber für mich erst die 2. Sichtung: Dendrosophus ebraccatus.


Ein klobsiger Geselle: Ein Tlalocohyla loquax. Sieht schwer nach Rechtschreibfehler aus, aber der heißt wirklich so. Das ist ein Männchen, das gerade am rufen ist.


Wegen relativ trockener Witterung der einzige Glasfrosch gestern abend: Sachatamia ilex, der größte Glasfrosch Costa Ricas.



Und die nächste neue Art für mich: Duellmanohyla rufioculis. Rote Augen machen irgendwie schon was her. Der ist übrigens endemisch für Costa Rica, d.h. er kommt nur hier vor.



Ein Meister der Tarnung: Isthmohyla lancesteri. Wegen seiner Rückenzeichnung kaum von den bemoosten Blättern zu unterscheiden. Auch neu für mich und übrigens die Lieblingsart von Brian.



Auch ein Highlight für jeden Froschfan: Cruziohyla calcarifer. Hab ich aber schonmal in Tirimbina gesehn.



Der darf natürlich in keiner Froschsammlung fehlen: Agalychnis callidryas, der Rotaugenfrosch.



Das ist Craugaster rearki. Die Art ist momentan noch unter anderem Namen bekannt. Da kommt bald ein Artikel raus, der sich mit dieser Art beschäftigt und sie als eigenständige Art beschreibt. Im Vergleich mit unseren Fingern sieht man auch mal, wie klein manche der Tierchen sind.



Ein kleiner Craugaster ridens.


Pristimantis cruentus: Das ist der Erstnachweis für CRARC. Tolles Tier, auch übersäht mit kleinen Warzen, damit er besser getarnt ist.


Ein Smilisca sordida.


Die letzte Sichtung des Abends war zum niederknien...



...das große Finale: Die Art wegen der ich eigtl. zur CRARC gefahren bin: Anotheca spinosa aka crowned tree-frog. Der hat Hörner auf dem Kopf, die wie eine Krone ausehen. WAHNSINN!!! THANKS BRIAN!!!!!!!!

Samstag, 5. Februar 2011

At work...

Damit nicht alle meinen, ich tingel hier nur im Urwald rum und fotografier lustig durch die Gegend, kommt hier mal ein kurzer Einblick in die Arbeit. Ich mach hier ja momentan Telemetrie mit nem kleinen "Fruchtvampir". Das heisst, ich beserndere Tiere und renn dann mit nem Assistenten und 2 Antennen hinterher und bestimme, wann die Tiere wohin fliegen. Dabei kanns besonders in den ersten Nächten passieren, dass man den Kontakt verliert und man per Zufallsprinzip suchen muss. So gings uns in der ersten Nacht und wir mussten erstmal 3,5h durch das komplette Reserve hier rennen (und ich meine tatsächlich rennen), bis wir wieder Kontakt hatten. Wir beobachten dann entweder von 18:00-24:00 Uhr oder von 23:30-06:00 Uhr. Gestern war eine der Arbeitsnächte bis ins Morgengrauen, echt komisch, da fängt die innere Uhr völlig an zu spinnen...aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft ;)



Hier haben wir mein erstes Untersuchungsobjekt: Ein Artibeus watsoni-Männchen. Den hab ich tagsüber samt seinen Mädels aus einem Blattzelt abgefangen.



Erstmal wird er vermessen und gewogen. Körpergewicht ist natürlich wichtig, weil das Tier gut genährt und kräftig sein sollte, wenn wir es besendern. Sonst wär der Sender vielleicht eine zu große Beeinträchtigung beim rum fliegen und das wollen wir den Tierchen ja nicht zumuten.


So sehen die Sender aus, die der Kleine gleich auf den Buckel geklebt bekommt. Sind echte Leichtgewichte, nur 0,6-0,7g.


Aktivieren muss man die Sender mit dem Lötkolben - nix für Grobmotoriker...also im Grunde nicht die adequate Arbeit für mich ;)


Dann wird dem Kerlchen mit der Nagelschere auf ca. 1cm² das Rückenfell entfernt, damit man den Sender auf die Haut kleben kann.


So siehts dann aus, wenn der Sender perfekt sitzt. Der ist gut im dichten Fell versteckt und man sieht eigtl. nur die Antenne.


Dann wird er wieder zu seiner Bude zurückgebracht. Rechts sieht man die Antenne wegstehen. Tagsüber muss ich dann natürlich suchen, wo er über tags hängt, damit wir abends mit den Antennen auch am richtigen Platz stehen, wenn das Tier ausfliegt. Das ist deswegen wichtig, weil die Sender im Wald nur ca. 200m Reichweite haben.


So schaut mein nächtliches Arbeitsgerät aus. Antenne mit Receiver und Kompass, um die Peilungen aufzunehmen.


Das bin ich beim nächtlichen peilen...und ja, ich weiss, ich müsst mich mal wieder rasieren...